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Erich Schairer (1887-1956), Journalist und Publizist, und seine ab 1920
erschienene Sonntags-Zeitung.
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Heil dir im
Siegerkranz, Harry Domela, Prinz von Hohenzollern! Zwar hat dich die Polizei geschnappt
und der Herr Untersuchungsrichter in Behandlung; aber dein Ruhm überstrahlt deinen Untergang,
und dein Name sei festgehalten, magst du ein noch so windiger Geselle sein. Denn deine Taten
haben uns in dieser trüben Zeit der Külze und Geßler eine Stunde reiner und
ungetrübter Freude bereitet.
Noch hattest du dich selber nicht
ganz entdeckt, als du mit deiner abgewetzten Hose in Heidelberg
auftratest und als prinzliche Durchlaucht v. Lieven, Leutnant
im 4. Reiterregiment zu Potsdam, die Saxo-Borussen besuchtest.
Zwar sind das lauter Grafen und Barone, aber waren sie nicht
glücklich, sich mit einem Prinzen besaufen zu dürfen?
Und die glänzende Generalprobe in Heidelberg gab dir
den Schwung für die Hauptvorstellung im thüringischen
Lande.
Als ein simpler Baron v. Korff
nahmst du Wohnung im Hotel in Erfurt. Aber dein unvorsichtiges
Ferngespräch mit der Hofverwaltung deines Bruders Louis
Ferdinand in Potsdam zerstörte das Inkognito. Du hättest
es auch so nicht bewahren können: deine Züge hätten
dich verraten, das leuchtende Hohenzollernauge, die Nase
deines Ahnen, des alten Fritz, der schnittige Mund, den
wir von deinem Papa her kennen. Bald wußte die Stadt,
wen sie in ihren Mauern hatte. Adel und Gesellschaft drängte
sich zur Vorstellung bei Königlicher Hoheit. Als du
deine Fahrt nach Gotha unternahmst, war schon ganz Thüringen
in begeistertem Aufruhr. Welchen Empfang hat man dir dort
im Schlosse bereitet! Der Ministerpräsident a. D. Herr
v. Bassewitz, Herr v. Wangenheim, Herr v. Krosigk rechneten
es sich zur Ehre, von dir begrüßt zu werden;
und gar die Hofdamen alle waren „rein verrückt“ nach
dir, dem schlanken und eleganten, inzwischen neu ausstaffierten
späteren Thronfolger. Wie huldvoll warst du gegen den
armen Oberbürgermeister Dr. Scheffler, der nicht wußte,
ob er „kaiserliche“ oder „königliche Hoheit“ zu dir
sagen müsse! Und gegen den Herrn Intendanten in Dessau,
der dich in die Hofloge geleitete, damit du deinen berühmten
Ahnherrn Fritz über die Bretter spazieren sähest.
Und die Reichswehrkommandöre in Erfurt und Weimar empfingen
dich in Gala, um dich ihrer Ergebenheit zu versichern, die
Schupooffiziere standen stramm, und einem Bäckermeister
ward die unvergeßliche Gnade zuteil, dir die Hand
küssen zu dürfen. Es war ein Triumfzug ohnegleichen,
deine Leutseligkeit war bezaubernd, dein ganzes Auftreten
so recht hohenzollerisch.
Tragische Ironie des Geschehens,
wenn dich die deutsche Republik nun einspunden wird, statt
dich in ihre Dienste zu nehmen! Hätte sie dich nicht
auch noch „inkognito“ nach Schwaben und Bayern, nach Ostpreußen
und Mecklenburg entsenden müssen, damit du dort republikanischen
Anschauungsunterricht erteilest! Gibt es denn eine tödlichere
Waffe als die Lächerlichkeit, mit der du die monarchistischen
Schweifwedler bloßgestellt und damit für den
republikanischen Gedanken mehr getan hast als wir unfähigen
Prediger in der Wüste in saurer allwöchentlicher
Arbeit vermögen?
Mögest du Verständnis-
und humorvolle Richter finden, Harry Domela, größerer
Nachfolger des Hauptmanns von Köpenick! Eine Leibrente
sollte dir die Republik aussetzen, wenn dich keine Filmgesellschaft
engagiert! Dir gebührt, wenn irgend einem, der erste
von den Orden, die demnächst im Namen der Republik
wieder verliehen werden sollen.
1927, 3 Sch.
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