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Website über
Erich Schairer (1887-1956), Journalist und Publizist, und seine ab 1920
erschienene Sonntags-Zeitung.
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Das Kegeln ist immer eine nationaldeutsche Angelegenheit
gewesen. Aber während es früher leichtsinnigerweise
einfach als Vergnügen für den Samstag Abend
oder Sonntag Nachmittag behandelt wurde, ist es heute „Leibesübung“, öffentlich anerkannter „Sport“
und Gott sei Dank gut organisiert.
Das haben die Stuttgarter Keglertage,
beginnend am 6. November mit der Einweihung des neuen
Keglersporthauses, auch dem Skeptiker eindrucksvoll bewiesen.
Auffallenderweise ist die württembergische Regierung
dabei nicht vertreten gewesen. Sonst hätte man vielleicht
eine der Bahnen im Keglerhaus, am besten wohl eine Holzbahn,
nach Herrn Bazille benamsen können. Jetzt ist es
zu spät dazu. Die Bahnen sind durch Vortrag der ergreifenden
Chöre „O Schutzgeist alles Schönen“ und „Die
Himmel rühmen“, gesungen vom Männnerchor der
Stuttgarter Sportfreunde, geweiht worden. Die schönste
heißt nach Herrn Bierfabrikant Robert Leicht, dem
hohen Protektor der Kegelei, bei der nach eintretender
Staubentwicklung am zweckmäßigsten Leicht'sches
Schwabenbräu zur Anfeuchtung verwendet wird.
Vorher zogen unter den Klängen
der Kapelle des Grenadierbataillons 13 Hunderte von Keglern
im Sportdreß durch die Straßen der Stadt,
ein unvergeßlicher Anblick. Ich habe ihn leider
versäumt und kann den Dreß deshalb zu meinem
Bedauern nicht im Detail schildern, vermute aber, daß
die Hemdärmel bei ihm eine gewisse, historisch begründete,
Rolle spielen. Die Banner des Deutschen Keglerbundes,
des Süddeutschen Gaus und der Verbände von Frankfurt,
Durlach, Mainz und Heilbronn wurden in Kutschen mitgeführt,
dasjenige des Stuttgarter Verbands sogar in einer vierspännigen.
Es war nämlich erst am Abend vorher vom Vorstand
des Schwäbischen Keglerbundes enthüllt worden,
worauf sehr viele ehrenvolle Bannernägel und Fahnenbänder
überreicht wurden. Unter anderem auch von den Heilbronner
Damen, die es im Kegeln zu hoher Meisterschaft gebracht
haben, denn Frau Störzbach-Heilbronn brachte es bei
der im Rahmen der Stuttgarter Keglersportwoche ausgetragenen
Damenmeisterschaft (20 Kugeln ins Volle) auf 94 Holz,
Frau Drautz auf 91, Frau Heinrich auf 88 und Frau Kircher
auf 87. Der württembergische Einzelmeister auf Asfaltbahn,
Josef Treß aus Friedrichshafen, hat mit 20 Kugeln
ins Volle 107 Holz gemacht, der württembergische
Einzelmeister auf Lattenbahn (50 Kugeln, abräumen)
134 Holz.
Die Sonntags-Zeitung hätte
nicht versäumen sollen, schon in ihrer letzten Nummer
auf diese Stuttgarter Ereignisse hinzuweisen, die nach
dem treffenden Ausspruch des Stuttgarter Tagblatts bewiesen
haben, daß der Kegelsport in Stuttgart keine nebensächliche
Angelegenheit der Körperpflege ist, wenn auch die
Regierung Bazille aber das habe ich ja schon erwähnt.
Ich bin selber alter Kegler und
bloß durch den Weltkrieg etwas aus der Übung
gekommen. Außerdem habe ich eben erst meinen Beitritt
zum „Verein ehemaliger Stubenältester“ angemeldet.
In allen Vereinen kann man schließlich nicht sein.
Meine Frau erlaubt es auch nicht. Sonst würde ich
mich jetzt unbedingt dem Sportwart von „Nemm' en du“ oder „G'wackelt hot'r“ als Kegelbruder zur Verfügung stellen.
Gut Holz!
1927, 47 Kazenwadel
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